Tag 2 der Bits & Pretzels: Münchner Startups, wohin man sieht
Maximilian Feigl
Maximilian Feigl berichtet seit 2020 über das Münchner Startup Ökosystem. Dabei haben es dem studierten Politikwissenschaftler vor allem Deeptech-Themen angetan.
Der zweite Tag der Bits & Pretzels startet für viele BesucherInnen des Gründerfestivals mit Verwirrung. Denn die Startups, die sie noch am Vortag in der Ausstellung getroffen haben, sind plötzlich spurlos verschwunden. An ihrer Stelle stehen ganz andere Jungunternehmen. Natürlich ist dies kein Zufall, sondern entspricht dem Konzept der Bits – an vielen BesucherInnen ging die Information, dass die Aussteller tauschen und nur an einem der zwei Tage auf der Messe sein werden, allerdings vorbei. Zu besprechen gibt es aber natürlich trotzdem genug, auch wenn manche TeilnehmerInnen sich wohl verpasst haben. (Foto: Urs Golling)Der zweite Tag des Gründerfestivals steht im Zeichen der „Golden Pretzel“, dem Pitch-Award der Bits & Pretzels. Nachdem die Jury eine Vorauswahl aus allen BewerberInnen getroffen hatte, pitchen die Hauptfinalisten an den beiden Messetagen vor der Jury. Dabei werden sie in Kategorien eingeteilt. Die Münchner Startups Sushi Bikes, Noyes Technologies (im Bild Marco Prüglmeier, Mitgründer und CEO von Noyes, bei seinem Pitch auf der Green Stage) und Buycycle zum Beispiel finden sich im Semifinal zum Thema Commerce & Marketplaces wider. Auch das Finale findet am zweiten Messetag statt.(Foto: birdyfoto / Bert Willer)Das Semifinal zum Thema Digital Sovereignty sieht unter anderem Vaeridion aus München pitchen. Für die Gründer des Startups ist dies ihr erster Besuch auf einer Bits & Pretzels, sie gründeten ihr Unternehmen erst 2021. Zuvor waren sie lange für die Industrie tätig. Co-Founder Ivor van Dartel sagt: „Die erste Bits ist für uns sehr erfrischend. Das ist eine neue Welt, von der wir jetzt Teil sind.“ Das Startup arbeitet an einer Lösung zur Elektrifizierung des Flugverkehrs. Von seiner Präsenz auf der Messe und vor allem von dem Pitch beim Wettbewerb erhofft er sich vor allem Aufmerksamkeit „für Projekte wie unsere, die die großen Probleme der Welt angehen. Die Zeit von SaaS soll doch bitte jetzt vorbei sein. Ich glaube die Zukunft liegt jetzt in Hardware.“ Neben Vaeridion pitchen auch die Münchner Startups Reverion, Exomatter und Kiutra in diesem Semifinal. (Foto: M. Feigl / Munich Startup)Auf der Spotlight Stage dreht sich alles um schnell wachsende Startups. Die Jungunternehmen bekommen jeweils zehn Minuten um sich vorzustellen und Fragen aus dem Publikum und von Moderatorin Magdalena Oehl zu beantworten. Den Anfang machte natürlich ein Startup aus München: Fernride arbeitet daran, autonomes Fahren in die Logistik zu bringen. Das junge Unternehmen bietet eine Lösung an, die es ermöglicht, elektrisch betriebene LKW auf geschlossenen Arealen wie Unternehmensgeländen oder Häfen ferngesteuert zu bedienen. Dies trainiert gleichzeitig die KI des Unternehmens, die in Zukunft immer mehr Aufgaben am Steuer übernehmen soll. Nach dem Pitch geht es für das Startup auf der Bits aber erst richtig los, erklärt CEO und Co-Founder Hendrik Kramer: „Wir haben hier glaube ich 20 Investoren-Meetings in den nächsten zwei Tagen, deswegen viele, viele gute Gespräche mit Investoren, die uns hoffentlich helfen, Fernride noch schneller groß zu machen.“ Die Bits & Pretzels ist für Fernride übrigens so etwas wie ein Heimspiel: 2020 gewann das Unternehmen hier den Munich Startup Award, damals noch unter dem Namen Pylot. (Foto: M. Feigl / Munich Startup)Natürlich zeigen die Münchner Startups nicht nur im Pitch-Wettbewerb Präsenz, sondern auch in der Ausstellung: Insgesamt kommen rund 70 der knapp 250 Aussteller aus der Landeshauptstadt. Die Gründe sind dabei unterschiedlich. Kiutra etwa pitcht nicht nur im Wettbewerb sondern wirbt auch um neue Talente. Aber auch Gespräche mit Investoren laufen gut, wie sich am Stand in Erfahrung bringen lässt. Die Lösung des Startups – Kiutra stellt Lösungen zur Kühlung von Quantencomputern her – lässt sich jedenfalls nur schwer an einem Messestand darstellen. (Foto: M. Feigl / Munich Startup)Das Proptech Properbird wiederum nutzt die Gründermesse, um noch einmal über den Pivot des Unternehmens aufzuklären. Co-Founder Omar Dahroug (links im Bild) fasst die Entwicklung so zusammen: „Wir hatten ja ein Check24-Format und versucht, das beste Angebot zu geben, indem wir Makler basierend auf Daten vergleichen.“ Die Herausforderung dabei sei gewesen, so Daroug weiter, dass der Hausverkauf eine sehr emotionale und persönliche Angelegenheit sei. Entweder man habe entsprechende Kontakte oder aber die etablierten digitalen Makler schlagen zu. Anstatt nun ein Funding anzustreben um diese Anbieter herausfordern zu können entschied sich das gebootstrappede Unternehmen, einen anderen Weg zu gehen. „Wir haben ja die ganzen Daten und verkaufen sie auch weiter, so haben wir uns ja schon die letzten anderthalb Jahre finanziert“, führt Daroug aus. „Also gehen wir jetzt full-on Beta Sales. Das heißt, wir haben eine Daten-Plattform aufgebaut, mit der wie eine Entscheidungsgrundlage für Banken und Gutachter schaffen, so dass diese den Markt richtig tracken können.“ Für Properbird geht der Messe-Reigen auch gleich weiter: Schon nächste Woche wird das Startup auf der Expo Real zu finden sein. (Foto: M. Feigl / Munich Startup)
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