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Social Entrepreneurship mit Leonhard

Social Entrepreneurship mit Leonhard

Florian Deglmann

Florian Deglmann

Der Exil-Nürnberger erforschte bis April 2019 als Redakteur die Münchner Startup-Szene.

April 22, 2015

2 min. read time

Rund um das Thema Soziales Unternehmertum hat sich in den letzten Jahren eine wachsende Szene entwickelt. Verschiedene Sozialunternehmen wurden gegründet, Netzwerke und Zertifikatsprogramme sind entstanden. Ein erfolgreiches Beispiel aus dem Raum München ist die Leonhard gemeinnützige GmbH | Unternehmertum für Gefangene.

Bereits seit 2011 gibt es das Leonhard-Programm, eine Resozialisierungsmaßnahme nach amerikanischem Vorbild, bei dem Häftlinge vor ihrer Entlassung Gründerkurse besuchen können. Hierbei lernen sie die Basics zum Thema Unternehmertum, wie Marketing und Betriebsführung funktionieren und vieles mehr.

Doch handelt es sich nicht um einen „klassischen Existenzgründerkurs“, wie Initiator und ehemaliger Dozent der TU München Bernward Jopen erklärt. Persönlichkeitstraining gehört ebenso zum Kurs wie eine Verbesserung der Kommunikationsfähigkeiten. Die Insassen sollen auf das reale Leben vorbereitet werden, um sich nach der Entlassung so gut wie möglich zurechtzufinden.

350.000 Euro sind jährlich fällig

Die finanzielle Nachhaltigkeit stellt sowohl für neu gegründete als auch bereits etablierte Sozialunternehmen eine Herausforderung dar. Für die Startfinanzierung investierten Bernward und seine Tochter 50.000 Euro aus privaten Ersparnissen ins Unternehmen. Durch Crowdsponsoring wurden weitere Mittel gesichert. Seit 2012 wird das Leonhard-Programm zu 80% durch den Europäischen Sozialfonds finanziert.

Trotz nachgewiesenem Erfolg des Programms droht dessen Finanzierung jedoch bald zusammenzubrechen. Denn die Förderung durch den europäischen Sozialfonds läuft laut Wirtschaftswoche Ende Juni aus, und Jopen fehlen ab diesem Zeitpunkt 350.000 Euro jährlich, um das Projekt weiter am Leben zu halten. Deswegen befindet er sich nun auf der Suche nach privaten Investoren.

Studie: Gründerkurse minimieren Rückfallquote

Wie eine gemeinsame Studie der TU München und der US-amerikanischen Indiana University belegt, liegt die Rückfallquote der Gefängnisinsassen, die an den Gründerkursen teilgenommen haben, bei nur knapp einem Viertel der üblichen Prozentzahl (lediglich zwölf statt 46 Prozent). Die Sinnhaftigkeit des Leonhard-Programms spiegelt sich auch in qualitativen Interviews mit den Teilnehmern wider: Die meisten glaubten danach wesentlich mehr an ihre eigenen Kompetenzen und änderten auch ihre Haltung „sowohl gegenüber ihrer Inhaftierung als auch gegenüber ihren Mitmenschen“, wie wiwo.de die Studie der TUM zitiert.

Partner des Leonhard-Programms sind unter anderem die Social Entrepreneurship Akademie (SEA), UnternehmerTUM sowie das Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE).

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