Diese Münchner Startups sind reif für ein Investment
Maximilian Feigl
Maximilian Feigl berichtet seit 2020 über das Münchner Startup Ökosystem. Dabei haben es dem studierten Politikwissenschaftler vor allem Deeptech-Themen angetan.
Bei der Bewertung, welches Startup reif für ein Investment ist, orientieren wir uns am „Dealroom Signal“ der Munich Startup Insights. Dieses bewertet die Unternehmen anhand von vier Kategorien: „Timing“ gibt an, wie viel Zeit seit der letzten Finanzierungsrunde vergangen ist; „Growth Rate“ bezieht sich auf die Wachstumsrate des Startups; „Hiring Pace“ betrachtet, wie viele offene Stellen ein Startup hat und wie schnell es diese besetzen kann; und „Completeness“ schließlich bezieht sich auf die Datenlage des Startups innerhalb der Insights. Startups können in allen vier Kategorien eine Punktzahl von maximal 100 erreichen, ebenso in der Gesamtwertung. (Bild: Rawpixel / Freepik)Hakuna: Das Münchner Insurtech Hakuna ermöglicht es HändlerInnen, Produktschutz als Service anzubieten. Das bedeutet, dass KundInnen beim Einkauf die Möglichkeit bekommen, eine Garantieverlängerung oder Versicherung in den Warenkorb zu legen. Zusätzliche Schritte oder Dateneingaben sollen dabei nicht erforderlich sein. Mit unterschiedlichen Versicherungsprodukten deckt das Startup sowohl technische Defekte als auch Unfälle und Diebstahl ab. In Sachen Finanzierung konnte das Startup in der Vergangenheit bereits überzeugen: 2021 schloss Hakuna eine erste Seed-Runde mit 1,5 Millionen Euro ab, 2022 folgte eine weitere Seed-Runde über 4 Millionen Euro. Das Dealroom Signal des Insurtechs erreicht 95 Zähler, mit 100 Punkten im Segment „Timing“. (Bild: Hakuna)Advastore hat sich dem Fulfillment verschrieben. Das 2020 gegründete Startup bietet eine All-in-One-Lösung, die die Auftragsabwicklung automatisiert – von der Warenannahme über Kommissionierung und Versand bis hin zur Retoure. Damit will das Unternehmen, hinter dem unter anderem Flaschenpost-Gründer Dieter Büchl steckt, Online-Shop-Betreibern ein schnelleres, transparenteres und günstigeres Fulfillment anbieten. Nach einer ersten Finanzierungsrunde in unbekannter Höhe im vergangenen Jahr wäre das Timing für eine weitere Investition in das inzwischen 50 MitarbeiterInnen große Startup günstig: Das Dealroom Signal von Advastore liegt bei 93 Punkten, mit 100 Zählern im Segment „Timing“. (Bild: Advastore)The Exploration Company: Der Weg ins All ist weit, beschwerlich und teuer – und wie viele andere New Space Startups auch will The Exploration Company genau das ändern. Das Jungunternehmen tritt an, um mit seiner selbst entwickelten Raumkapsel Nyx in Zukunft Fracht und schließlich auch Menschen in den Weltraum zu befördern. Bei der Entwicklung von Nyx konnte das Startup mit Sitz in Weßling und Merignac bei Bordeaux kürzlich zwei Meilensteine erreichen und wichtige Hardware-Komponenten erfolgreich testen. Doch die Entwicklung von Hardware ist teuer – und so könnte das 2021 gegründete und über mehrere Finanzierungsrunden mit insgesamt rund 45 Millionen Euro ausgestattete Unternehmen ein weiteres Investment gut gebrauchen. Das Dealroom Signal von The Exploration Company beträgt 79 Punkte. (Bild: The Exploration Company)Reverion: Eine neue Generation von Kraftwerk entsteht aktuell bei dem Münchner Startup Reverion. Laut Unternehmensangaben können diese bei der Verstromung von Biogas einen Wirkungsgrad von bis zu 80 Prozent erreichen. Dies erlaube es BetreiberInnen von Biogasanlagen ihre Einnahmen durch dieselbe Menge Biomasse um bis zu 400 Prozent zu steigern. Darüber hinaus haben die Kleinkraftwerke die Fähigkeit, auch „rückwärts“ (reversibel) zu laufen. So lässt sich aus einem vorübergehenden Überschuss an Wind- und Sonnenstrom ein erneuerbares Erdgassubstitut oder grüner Wasserstoff erzeugen und speichern. Mit diesem Ansatz hat das Startup schon bei Xpreneurs und verschiedenen Investoren gepunktet, und auch das European Innovation Council gab schon Geld. Das Dealroom Signal liegt bei 79 Zählern. (Bild: Reverion)Tozero: Ebenfalls Investment-ready ist laut unseren Insights (Dealroom- Siganl: 76) Tozero. Das Startup entwickelt eine skalierbare Recyclinganlage für Lithium-Ionen-Batterien. Sie soll nicht nur das Lithium, sondern auch andere wertvolle Materialien wie Nickel, Cobalt und Graphit aus den entsorgten Batterien gewinnen. Gegründet wurde Tozero im Juli 2022 von Sarah Fleischer and Ksenija Milicevic Neumann. Bei ihrer Arbeit kooperieren die beiden Gründerinnen eng mit Prof. Bernd Friedrich, der als Leiter des Institutes für Metallurgische Prozesstechnik und Metallrecycling der RWTH Aachen als Pionier der Batterie-Recycling-Forschung gilt. Eine Pilotanlage für das Batterierecycling hat Tozero erst vor kurzem eingeweiht, die letzte Finanzierungsrunde schloss das Startup im September 2022 ab. Damals kamen 3,5 Millionen Euro zusammen.Robco: Die Industrieroboter von Robco bringen nicht nur die Automatisierung der Fertigung in kleine und mittlere Unternehmen – sie verhalfen in diesem Jahr auch CO-Founder Roman Hölzl unter die Forbes 30 under 30 Europe. Und auch Investoren interessieren sich für sie: im vergangenen Jahr steckten Kindred Capital aus London, Promus Ventures aus Chicago, der Helsing-Mitgründer Torsten Reil, der Unternehmer Daniel Dines sowie Christian Reber, Partner bei Frank Thelens Investmentfirma Freigeist, insgesamt 13 Millionen Euro in Robco. Laut Dealroom Signal ist es mit 76 Punkten bald Zeit für das nächste Investment. (Bild: Robco)
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