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Internationaler Vergleich: Sind Deutsche Gründungsmuffel?

Internationaler Vergleich: Sind Deutsche Gründungsmuffel?

Simon Tischer

Simon Tischer

Von Dezember 2015 bis Juni 2023 war Simon Tischer als Redakteur für Munich Startup tätig.

20. Juni 2017

2 Min. Lesezeit

Knapp jeder zwanzigste Erwachsene in Deutschland (4,6%) ist Gründer eines jungen Unternehmens. Weitere 2,9 % befinden sich gerade in der Gründungsphase. Das klingt respektabel für das Land der Mittelständler und Konzerne — doch im internationalen Vergleich belegt Deutschland damit einen der hinteren Plätze.

Verglichen mit anderen hoch-entwickelten Ländern steht Deutschland bei der Gründerquote nicht gut da und belegt gemeinsam mit Italien, Spanien, Frankreich, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Griechenland die hinteren Plätze der 27 Länder zählenden „innovationsbasierten“ Gruppe. Frauen gründen in Deutschland besonders selten: Nur 3,1 % der befragten Frauen wagten hierzulande den Schritt in die Selbstständigkeit — der letzte Platz innerhalb der Vergleichsgruppe.

In weiteren 38 Ländern wurden ebenfalls zufällig ausgewählte Bürger zu ihrer Gründungsaktivität gefragt. Aufgrund unterschiedlicher Rahmenbedingungen sind diese laut Studienautoren jedoch nicht vergleichbar.

Nur wenige gründen aus der Not heraus

Betrachtet man den Zeitverlauf innerhalb Deutschlands, sieht die Lage schon etwas rosiger aus: Trotz anhaltend sinkender Arbeitslosenzahlen bleibt der Anteil der Gründer in der Gesamtbevölkerung stabil. Ein Grund dafür könnten Zuwanderer sein, deren Gründerquote die der ansässigen Bevölkerung meist übertrifft.

Ebenfalls erfreulich: Auf einen Gründer aus Not („Mangel an Erwerbsalternativen“) kommen dreieinhalb Bürger, die aus einer erkannten Marktlücke heraus gründen. Zweitere Gruppe zeigt üblicherweise eine bessere Wachstumsperspektive als erstere. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland aber auch bei diesem Quotienten nur im hinteren Mittelfeld. Beim Spitzenreiter Schweden kommen auf eine Not- beinahe 20 Chancengründungen.

Förderprogramme hui, Gründerkultur pfui

Die deutsche Risikoaversion ist hinlänglich als Gründungshemmnis bekannt. Immerhin 44 % der Befragten würden aus Angst vor dem Scheitern gar nicht erst gründen, nur 37 % glauben, die für eine Gründung notwendigen Fähigkeiten zu besitzen.

In allen 65 teilnehmenden Ländern wurden zudem Experten um ihre Einschätzung der Rahmenbedingungen vor Ort gebeten. So sollen Potenziale und Hürden genauer beleuchtet werden. Das Ergebnis in Deutschland: Die physische Infrastruktur, die Wertschätzung neuer Produkte sowie der Schutz geistigen Eigentums wird positiv bewertet. Nachholbedarf sehen die Experten bei der schulischen Gründungsausbildung, dem Engagement der Politik sowie Regulierung und Steuern. Als Top-Hemmnis identifizieren die Experten die gesellschaftlichen Normen und Werte. Die öffentlichen Förderprogramme sehen sie dagegen als großen Gunstfaktor.

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