Munich Startup
Berliner Firma Honeypot: „Munich is Germany’s economic heartland“

Berliner Firma Honeypot: „Munich is Germany’s economic heartland“

Simon Tischer

Simon Tischer

Von Dezember 2015 bis Juni 2023 war Simon Tischer als Redakteur für Munich Startup tätig.

11. Januar 2017

3 Min. Lesezeit

Die Münchner Tech-Szene im Gewand des MVV-Netzplans: Die Job-Plattform Honeypot hat die Münchner Technologie-Branche vom Startup bis zum DAX-Konzern vermessen. Im Ergebnis ein tiefer Einblick in Startup-München.

Die „Munich Tech Map“ des Berliner Unternehmens Honeypot kommt zunächst unschuldig als Blog-Artikel mit netter Illustration und wenig Erkenntnisgewinn daher. Auf dem Münchner MVV-Netzplan zeigen kleine farbige Pins, in der Nähe welcher U- und S-Bahn-Station Münchner Tech-Unternehmen sitzen. Schnell wird aber klar, dass sich Honeypot-Mitgründerin Emma Tracey eingehend mit der Technologie-Szene in München beschäftigt und mit einigen der wichtigsten Akteuren gesprochen hat. Weniger bescheidene Zeitgenossen nennen so etwas eine Studie.

Honeypot

Der Beitrag gibt einen guten Überblick über das Tech-Startup-Geschehen in München. Auf den ersten Blick überrascht der fehlende Berlin-Bias. Startup-Akteure aus der Hauptstadt ignorieren gerne einmal das Geschehen außerhalb Berlins — vielleicht noch mit Ausnahme Kaliforniens und Tel Avivs. Gleich im ersten Absatz heißt es dagegen:

„While Berlin is the capital of Germany, Munich is its economic heartland. The Bavarian capital has the highest purchasing power of any German city and many of large German companies are headquartered here, including global corporations such as Allianz, BMW, MAN, Munich Re, and Siemens.“

Wobei die Verknüpfung von Berlin und den kalifornischen Startup-Hochburgen dann doch nicht fehlen darf:

„To give a rough analogy, Munich is to Berlin what New York is to Silicon Valley.“

Der Artikel gibt noch einige Hintergrundinfos zum Aufstieg Münchens durch die Teilung Berlins, der wirtschaftlichen Dominanz Münchens und deren Folgen für ansässige Unternehmen.

Akteure, Macher und Experten

Wirklich interessant wird die Untersuchung aber im Detail — abseits der großen und  bekannten Erzählungen. Im Rahmen einer eher zahlengetriebenen Analyse hat sich die Autorin 200 Münchner Tech-Unternehmen herausgegriffen, vom Startup bis zum Konzern. Auch Acceleratoren, Incubatoren und VCs sind dabei. Diese Unternehmen wurden dann in sechzehn Kategorien eingeteilt wie etwa Mobility, FinTech und Data Analysis.

Nach welchen Kriterien die Auswahl der Unternehmen erfolgte, ist unklar. Natürlich ist die Frage unvermeidbar, warum das eine Unternehmen berücksichtigt wird und das andere nicht. Dementsprechend sollte man — wie bei anderen Untersuchungen mit willkürlicher Stichprobe — die quantitativen Ergebnisse keinesfalls zu ernst nehmen. Insbesondere für Software-Entwickler, die Zielgruppe von Honeypot, könnte jedoch eine Sonderauswertung interessant sein: Welche Programmiersprachen und Frameworks präferieren die ausgewählten Münchner Firmen?

Besonders spannend ist ein anderer Teilbereich der Analyse: Emma Tracey sprach mit Akteuren, Machern und Experten der Münchner Startup-Szene, darunter Gabriele Böhmer, Redaktionsleiterin von Munich Startup. Auch Jonas Girardet von ProGlove, Bragi-CTO Toby Martin, Sebastian Bärhold von IDNow, David Drews von Aboalarm und viele weitere kommen zu Wort. Tracey gelingt so ein tiefer Einblick in Startup-München — und das  von Berlin aus. Doch wie sagt Baby Schimmerlos in Helmut Dietls Kir Royal: „Ich find’, die Wahrheit kann man überall schreiben.“ Recht hat er.

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