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Bürokratie kostet Selbstständige bis zu 50 Milliarden Euro

Bürokratie kostet Selbstständige bis zu 50 Milliarden Euro

Simon Tischer

Simon Tischer

Von Dezember 2015 bis Juni 2023 war Simon Tischer als Redakteur für Munich Startup tätig.

August 8, 2017

2 min. read time

Die Bürokratie bereitet Gründern in Deutschland nach wie vor große Schwierigkeiten, so eine Studie der KfW. Eine weitere Untersuchung beziffert den volkswirtschaftlichen Schaden.

Jeder dritte Gründer nimmt laut KfW bürokratische Regelungen und Pflichten als Belastung wahr. Als nächsthäufiges werden die familiäre Belastung (27 %), die Auftragsakquise (26 %)  und die konjunkturellen und finanziellen Risiken der Selbstständigkeit (jeweils 22 %) genannt.

Rund ein Zehntel ihrer Arbeitszeit wenden die befragten Gründer für die Bewältigung administrativer Pflichten auf. Jeder zweite Befragte mit bürokratischen Schwierigkeiten bemängelt den Aufwand für verschiedenen Anmelde- und Registrierungsprozesse und die Komplexität der Besteuerung. Die Schwere der bürokratischen Probleme unterscheidet sich nach einigen Merkmalen: Im Bausektor sehen 43 % der Gründer administrative Hürden, im Handel sind dies nur 28 %. Gründer mit Fremdfinanzierungsbedarf nennen weitaus öfter (45 %) Bürokratieprobleme als Gründer ohne Finanzmitteleinsatz (26 %). Jüngere Gründer haben deutlich häufiger Probleme mit der Bürokratie als ältere.

„Zwar gab es in den letzten Jahren beim Bürokratieabbau schon Fortschritte, doch es besteht eindeutig noch Spielraum“,

so KfW-Chefvolkswirt Dr. Jörg Zeuner. Vor allem in der Digitalisierung stecke großes Potenzial. Durch einen konsequenten Ausbau des E-Government könnten Verwaltungsprozesse schneller und effizienter gestaltet werden.

Bis zu 50 Milliarden Euro Schaden im Jahr

Eine Studie des Berliner Unternehmens Kontist  kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Deren befragte Gründer geben an, im Schnitt jedes Jahr 24,6 Arbeitstage durch Bürokratie und Verwaltung zu verlieren. Bei rund 250 Arbeitstagen im Jahr entspricht das ziemlich genau dem Ergebnis der KfW-Untersuchung.

Zur Veranschaulichung haben die Studienautoren die Kosten der unbezahlten Arbeit hochgerechnet: Bei einem durchschnittlichen Stundensatz der Befragten von 59,61 Euro verlieren sie durch den Verwaltungsaufwand jedes Jahr rechnerisch 11.735 Euro — angenommen sie wären mit Kundenprojekten voll ausgelastet. Für alle 4,4 Millionen Selbstständige in Deutschland bedeutet das in Summe einen potenziellen Verdienstausfall von gut 50 Milliarden Euro.

Dr. Zeuner von der KfW beruhigt jedoch:

„Bürokratie kostet Gründer zwar Zeit und Nerven, deshalb werden aber kaum Gründungsprojekte abgebrochen oder Gründungspläne in der Schublade gelassen.“

Die größte Hürde in der Planungsphase sind laut KfW finanzielle Risiken. Bestehende Gründungsprojekte würden vor allem aufgrund attraktiver Jobalternativen oder unbefriedigender Ertragslage wieder abgebrochen, nicht wegen der Bürokratie.

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