Munich Startup
Atlat: Beschwerdesystem für Deuter

Atlat: Beschwerdesystem für Deuter

Regina Bruckschlögl

Regina Bruckschlögl

Nach eigenen Startup-Erfahrungen blickt sie als Redakteurin von Munich Startup nun aus einer anderen Perspektive auf die Münchner Startup-Szene – und entdeckt dabei jeden Tag, wie vielfältig das Münchner Ökosystem ist. Startup Stories, die erzählt werden wollen!

21. Dezember 2022

3 Min. Lesezeit

Die Idee von Beschwerdemechanismen ist, ArbeiterInnen in globalen Lieferketten zu ermöglichen, ihre Rechte mithilfe von Beschwerden wahrnehmen zu können. Ein Beschwerdemechanismus kann jedoch nur wirksam sein, wenn dieser ArbeiterInnen bekannt und leicht zugänglich gemacht wird. Deswegen hat Atlat eine digitale Lösung für einen Beschwerdekanal gebaut, der aus der Perspektive der ArbeiterInnen gedacht ist. Mit Atlat können Beschwerden über einen automatisierten Chat von ArbeiterInnen eingereicht werden und auf der dazugehörigen Beschwerdeplattform von MitarbeiterInnen der beziehenden Unternehmen nachverfolgt werden. Mit Hilfe automatisierter Übersetzungen soll die Sprachbarriere gesenkt werden. Diese Lösung will Deuter, ein deutscher Hersteller von Rucksäcken und Schlafsäcken, nun einsetzen, um die Rechte von ArbeiterInnen in der tieferen Lieferkette in Vietnam zu stärken.

Wichtig: Anonymität der ArbeiterInnen wahren

ArbeiterInnen sollen in der Umgebung des Chats offener über Probleme sprechen können, als dies möglicherweise von Angesicht zu Angesicht mit ihren Vorgesetzten der Fall wäre. Weiterhin ermöglicht das digitale Beschwerdesystem vollkommene oder weitgehende Anonymität für die Beschwerdeführenden. Die Bearbeitung der über den Chatbot eingereichten Beschwerden erfolgt auf der Atlat-Beschwerdeplattform.

Mitgründerin von Atlat und technische Leiterin Anna Ira Hurnaus erklärt:

“Die Anonymität der ArbeiterInnen zu wahren, ist für uns in der Entwicklung des Beschwerdesystems von Anfang an das Wichtigste gewesen.”

Um die Akzeptanz des Chattools bei ArbeiterInnen vorab abzufragen, wurde eine Studie mit ArbeiterInnen in Zusammenarbeit mit der sozialen Innovationsagentur Schoolab Vietnam durchgeführt. Befragte ArbeiterInnen äußerten in diesem Zusammenhang nach Unternehmensangaben den Wunsch nach zusätzlicher visueller Hilfe bei wichtigen Schritten im Chat. Infolgedessen wird nun die Vermittlung von erklärungsbedürftigen Themen im Chat zusätzlich mit animierten Illustrationen unterstützt. Auch in Zukunft will das Team von Atlat die Anliegen und Rückmeldungen von ArbeiterInnen abfragen und die Gestaltung der Software danach ausrichten.

Digitale Softwareentwicklung trifft auf Social Impact

Atalt-Geschäftsführer Josua Ovari meint zur Kooperation mit Deuter:

“Die gegenwärtige Lage der Weltwirtschaft zeigt die Relevanz von globalen Lieferketten. Wir bei Atlat vereinen unsere Leidenschaft zur digitalen Softwareentwicklung mit Social Impact. Einerseits soll unser Softwaresystem Gerechtigkeit für ArbeiterInnen sicherstellen. Andererseits fordert das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz funktionierende Beschwerdemechanismen von Unternehmen, und auch für das kommende europäische Lieferkettengesetz scheinen sich die politischen EntscheidungsträgerInnen über die Bedeutung von Beschwerdemöglichkeiten einig zu sein. Außerdem wollen wir Unternehmen wie Deuter dabei helfen, die Einhaltung von ArbeitnehmerInnenrechten auch in der tieferen Lieferkette zu steuern und über gesetzliche Anforderungen hinaus Arbeitsbedingungen in Zulieferbetrieben zu verbessern. Wir sind stolz auf die Kooperation mit Deuter, die seit dem ersten Austausch stark vom gemeinsamen Werteverständnis geprägt ist.”

Marco Hühn, Head of Quality Management, Corporate Social Responsibility und Repair Service bei Deuter, meint weiter:

„Da Deuter bereits gute Ergebnisse im Monitoring von ArbeitnehmerInnenrechten bei seinen direkten Produktionspartnern vorweisen kann, ist es nun unser Ziel, auch indirekte Lieferanten noch besser zu prüfen, um unserer Verantwortung als Mitspieler in den globalen Lieferketten gerecht zu werden. Durch ein effizientes Eingeben von Beschwerden können wir entsprechend schnell reagieren, um Korrektivmaßnahmen einzuleiten. Mit Atlat kann das durchaus gelingen und wir sind gespannt, wie die ersten Pilotprojekte anlaufen.“

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