Maximilian Feigl berichtet seit 2020 über das Münchner Startup Ökosystem. Dabei haben es dem studierten Politikwissenschaftler vor allem Deeptech-Themen angetan.
Tubulis entwickelt sogenannte Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC), mit denen Tumore angegriffen werden sollen. Diese Verbindungen ermöglichen eine zielgerichtete Abgabe von Substanzen an das von einer Krankheit betroffene Gewebe. Im Fall von Krebs ermöglicht dies etwa eine gezielte Abgabe von zum Beispiel Chemotherapeutika an Krebszellen, ohne größere Mengen toxischer Substanzen an gesundes Gewebe abzugeben. Das 2019 als Spin-off des Leibniz-Forschungsinstitut Berlin (FMP) und der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) gegründete Unternehmen konzentriert sich darauf, diese ADCs zu stabilisieren, um ihre Einsatzmöglichkeiten auszuweiten. Im Mai 2022 konnte Tubulis in seiner Series-B weitere 60 Millionen Euro einsammeln und seine Gesamtfinanzierung so auf rund 72 Millionen Euro erhöhen. (Bild: Carolin Bleese)Auch das im Jahr 2015 von Pascal Schweizer, Martin Hossann und Lars Lindner gegründete Startup Thermosome entwickelt eine neue Methode, um Medikamente gezielt an ihren Einsatzort im Körper zu bringen. Die sogenannte Drug-Delivery-Plattformtechnologie basiert auf temperaturempfindlichen Nanocarriern, sogenannten Thermosomen. Mit einem speziellen Gerät erhitzt Thermosome einen Tumor im Vergleich zu dem ihn umgebenden Gewebe leicht, so dass die intravenös verabreichten Medikamente ihre Wirkstoffe nur dort freisetzen. Auf diese Weise wird gesundes Gewebe geschont. Im Vergleich zur konventionellen Wirkstoffgabe sollen hierdurch bis zu 15-fach höhere lokale Wirkstoffkonzentrationen im erkrankten Gewebe erreicht werden. Zu den Investoren von Thermosome zählen der High-Tech Gründerfonds und Bayern Kapital, die dem Startup zuletzt im April 2016 1,9 Millionen Euro zuschossen.Bei den sogenannten Immuntherapien wiederum wird das körpereigene Immunsystem gegen den Krebs gerichtet. Die Behandlungsmethode gilt als besonders zukunftsweisender Ansatz. Eine große Herausforderung ist es, dabei eine hohe Wirksamkeit der Immunantwort auf Krebszellen und zugleich geringe Nebenwirkungen zu vereinen. Das Münchner Startup Catalym entwickelt hierfür neue Wirkstoffe. Im Mittelpunkt steht dabei der Medikamenten-Kandidat Visugromab. Dieser soll ein bestimmtes Protein neutralisieren, welches Tumore nutzen, um sich vor dem körpereigenen Immunsystem zu schützen. Dadurch sollen die Krebszellen wieder für das Immunsystem zugänglich werden, was die Immunabwehr verstärken soll. Mit der Idee, die auf Forschung an der Uni Würzburg zurückgeht, konnte das Startup bereits zahlreiche Investoren von sich überzeugen. Zuletzt schloss Catalym im November vergangenen Jahres seine Series-C in Höhe von 50 Millionen Euro ab. Die Gesamtfinanzierung der Münchner liegt somit bei rund 100 Millionen Euro. (Bild: kjpargeter / Freepik)Noch relativ neu auf der Startup-Bühne ist das Anfang 2022 gegründete Unternehmen Plectonic Biotech: Die Gründer Klaus Wagenbauer, Jonas Funke, Benjamin Kick und Hendrik Dietz haben einen „An/Aus-Schalter“ für Antikörper-Immuntherapien entwickelt, der Immunzellen mit Tumorzellen verbindet. Das wenige Nanometer große Konstrukt kann an zwei Seiten an Zellen andocken. Auf der einen Seite platzieren die Forscher Antikörper gegen Tumorzellen, mit denen es Tumorzellen identifiziert und sich an sie bindet. Dabei wird gewissermaßen ein Schalter umgelegt, der auf der gegenüberliegenden Seite andere Antikörper aktiviert, die zuvor verborgen waren. Diese werden von körpereigenen Immunzellen erkannt, die so für die Bekämpfung der Krebszellen rekrutiert werden. So sollen Immuntherapien gegen Krebs gezielter und mit weniger Nebenwirkungen möglich werden. Im vergangenen Dezember erhielt die TUM-Ausgründung eine erste Finanzierung in Form einer Sprind-Förderung. (Bild: Sprind)Eisbach Bio konzentriert sich auf bestimmte Krebsarten, bei denen fehlerhafte Zellteilungs-Mechanismen dazu führen, dass sich das Genom des Tumors ständig verändert. Dies macht diese Krebsarten besonders schwer zu bekämpfen. Das Startup greift nun die inneren Mechanismen der Krebszellen an, indem es mit bestimmten Molekülen in die Abläufe eingreift. So werden letztendlich die krankheitsrelevanten Funktionen des Tumors blockiert. Zudem entwickelt das Startup der beiden Gründer Adrian Schomburg (im Bild) und Andreas Ladurner auch ein Sars-Cov-19-Medikament, das sich ähnlichen Mechanismen bedient. Hierfür erhielt das Startup 2021 Förderungen sowohl über 8 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung als auch weitere 6,7 Millionen Euro von der Bayerischen Staatsregierung. (Bild: Eisbach Bio)
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