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Verde: Nachhaltigkeit trifft auf Versicherung

Verde: Nachhaltigkeit trifft auf Versicherung

Helen Duran

Helen Duran

Als Redakteurin ist die Wirtschaftsgeografin Helen Duran seit 2015 für Euch in der hiesigen Gründerszene unterwegs. Sie ist neugierig auf Eure spannenden Startup-Geschichten!

24. Januar 2020

4 Min. Lesezeit

Das Münchner Startup Verde will den deutschen Versicherungsmarkt mit nachhaltigen, sozialen Sachversicherungen versorgen. Hinter der Idee steckt die Verde-Gründerin Marie-Luise Meinhold. Die 49-Jährige Biologin und Ökonomin bezeichnet sich als Deutschlands erste Frau, die eine Versicherung gegründet hat. Ein Interview.

Munich Startup: Wer seid Ihr und was macht Ihr? Stellt Euch und Euer Produkt bitte kurz vor!

Marie-Luise Meinhold, Verde: Wir gründen Deutschlands erste nachhaltige Sachversicherung: Verde. Damit wollen wir zeigen, dass der Finanzsektor auch anders funktionieren kann – und zwar genossenschaftlich, fair, sozial, nachhaltig und gemeinwohlorientiert. Derzeit ist die Verde-Versicherung noch in ihrer Aufbauphase. Um trotzdem schon einen Beitrag zu leisten, bieten wir bereits mit dem ‚Verde Check‘ eine Terminvermittlung an freie und ökologisch-soziale FinanzberaterInnen, und mit ‚Verde Bike‘ einen nachhaltigen Diebstahlschutz an.

Verde: Eine gemeinwohlorientierte Versicherung

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Marie-Luise Meinhold: Versicherungen? Ja. Nachhaltig? Naja. 68 Milliarden Euro fließen jährlich in Hausrat, Haftpflicht & Co — unsere Sachversicherungsbeiträge. Dieses Geld legen die Versicherungen an, um Gewinn zu erwirtschaften. Transparenz und Moral werden der Rendite untergeordnet, die soziale und ökologische Wirkung der Investitionen bleibt außer Acht. Dabei ist die Wirkung sehr wichtig: Die Investitionen von heute entscheiden über die Zukunft von morgen.

Und da machen wir nicht mit. Bei Verde achten wir streng auf Transparenz und Nachhaltigkeit. Und zwar im Unternehmen, bei unseren Produkten und – und das ist wichtig – bei der Verde-Kapitalanlage. Wir prüfen genau, welche Wirkung unsere Investitionen haben und welche Unternehmen oder Projekte dadurch unterstützt werden. Wir legen unsere gesamte Kapitalanlage offen. Und wie garantieren wir, dass das so bleibt? Durch unsere Genossenschaft natürlich.

Viele Menschen verbinden Geld nicht mit Nachhaltigkeit

Munich Startup: Was war Eure bisher größte Herausforderung?

Marie-Luise Meinhold: Einfach: Unsere größte Herausforderung ist, dass viele Menschen Geld nicht mit Nachhaltigkeit in Verbindung bringen. Das Thema Versicherungen kommt nicht viel besser bei den Menschen an. Das wollen wir ändern! Denn positives Geld bedeutet positive Investitionen, beispielsweise in erneuerbare Energien, Bio-Landwirtschaft, den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs oder auch sozialen Wohnungsbau. Und das brauchen wir! Wie gesagt: die Investitionen von heute entscheiden über die Zukunft von morgen.

Munich Startup: Butter bei die Fische: Wie läuft das Geschäft?

verde
Eine Aktiengesellschaft und eine Genossenschaft haben Marie-Luise Meinhold und ihr Team bereits gegründet.

Marie-Luise Meinhold: Wir haben bisher in den Aufbau der Verde Aktiengesellschaft, der Verde Genossenschaft und der ersten Produkte investiert. Über die Terminvermittlung haben wir bereits viele Buchungsanfragen an freie, nachhaltige FinanzberaterInnen vermittelt, die Genossenschaft hat 77 Mitglieder und unser Diebstahlschutz steht kurz vor dem Markteintritt. Außerdem haben wir mit unserer Kapitalanlage mehr als eine Millionen Euro angelegt und damit diese Wirkung erzielt:

  • 1.070 Tonnen eingespartes CO2
  • 29 geschaffene Arbeitsplätze
  • 14 geförderte Bauern in Gebieten Afrikas
  • 12.000 mit Strom versorgte Personen in Gebieten Afrikas

Jetzt ist alles aufgebaut, jetzt wollen wir wachsen! Wir freuen uns über weitere KundInnen, Mitglieder und bald ZeichnerInnen unserer Genussrechte. Dann gibt‘s auch noch weitere faire und nachhaltige Finanzprodukte.

Gut verortet in Deutschlands Finanzstandort

Munich Startup: Was bedeutet München für Euch?

Marie-Luise Meinhold: München ist Deutschlands Finanzstandort. Wenn es um Geldanlage geht, dann werden hier vermutlich 3 Billionen Euro verwaltet. Hier wollen wir handeln. Außerdem kommt das Team aus München. Das ist natürlich auch ein Grund.

Munich Startup: Wie wird Euer Startup zum nächsten Unicorn? Oder sehen wir uns bald auf der Epic Fail Night?

Marie-Luise Meinhold: Ganz eindeutig Unicorn! Wir haben 77 Mitglieder und eine kleine, feine Crowd und bauen diese aus. Durch Verde Bike – unser erstes Sicherungsprodukt – zeigen wir, was bei einer ökologisch-sozialen Absicherung in Bezug auf Nachhaltigkeit und Leistung alles möglich ist. Von der Kapitalanlage über die FahrradanbieterInnen bis zu unserem Team. So sparen unsere KundInnen beispielsweise mit jedem Euro Beitrag zwei Kilogramm CO2.

Munich Startup: Frühaufsteher oder Langschläfer?

Marie-Luise Meinhold: Wenn man eine Versicherung gründet, bleibt einem da nicht die Wahl. Also Frühaufsteherin für eine grüne Finanzzukunft.

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