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Risikokapital für Energie-Startups — Nachgefragt bei BayWa r.e. Energy Ventures

Risikokapital für Energie-Startups — Nachgefragt bei BayWa r.e. Energy Ventures

Simon Tischer

Simon Tischer

Von Dezember 2015 bis Juni 2023 war Simon Tischer als Redakteur für Munich Startup tätig.

June 28, 2018

5 min. read time

BayWa r.e. Energy Ventures ist eine recht junge Münchner Venture-Capital-Firma. Das Tochterunternehmen des BayWa-Konzerns investiert in Energie-Startups. Wir konnten Ulrich Seitz, dem Managing Director von BayWa r.e. Energy Ventures, einige Fragen stellen.

Stellt Euch bitte kurz vor.

Die BayWa r.e. Energy Ventures wurde im April 2018 als Venture-Capital-Gesellschaft der BayWa r.e., eines weltweit im Bereich der erneuerbaren Energien tätigen Unternehmens, gegründet. Der Fokus unseres Teams liegt auf der finanziellen und operativen Unterstützung vielversprechender Startups aus dem gesamten Energiebereich. Dabei setzen wir auf die Verbindung von unternehmerischer Erfahrung und Geschwindigkeit und bieten — mit der finanzstarken BayWa AG im Rücken — gleichzeitig die Sicherheit und Stabilität eines Corporates. Wir sehen uns dabei als Partner auf Augenhöhe, der gemeinsam mit den Gründern an der Umsetzung unseres Unternehmensmottos „r.e.think energy“ arbeitet.

Ulrich Seitz (Foto: BayWa r.e. Energy Ventures GmbH)
Ulrich Seitz (Foto: BayWa r.e. Energy Ventures)

Was ist die Aufgabe von BayWa r.e. Energy Ventures innerhalb des BayWa-Konzerns?

Unsere wichtigste Aufgabe ist die Identifizierung und Erschließung neuer Geschäftsmodelle und Märkte. Durch die Investition in junge, innovative Unternehmen wollen wir frühzeitig neue Trends in der Energiebranche erkennen und diese weiterentwickeln. So wollen wir möglichst viel über aktuelle Marktentwicklungen lernen. Was den Exit angeht, sind wir offen für alle Kanäle, wobei auch die BayWa r.e. selbst ein Exit-Kanal sein kann.

„Wir sind offen für alle vielversprechenden jungen Unternehmen aus dem Energiebereich“

Wo liegt Euer Investmentfokus?

Grundsätzlich haben wir Interesse an jungen Unternehmen aus dem gesamten Energiebereich, insbesondere an Startups mit innovativen Ideen zu digitalen Lösungen, Speichern und E-Mobilität. Wichtig ist uns auch die Vision hinter dem Geschäftsmodell: Es sollte das erklärte Ziel des Startups sein, in einem Bereich der Energiewirtschaft auch langfristig eine führende Stellung einzunehmen und substanziell zur Lösung aktueller und kommender Problemstellungen beizutragen.

Stimmen die Grundvoraussetzungen, wollen wir jährlich in bis zu fünf solcher Startups investieren. Wir interessieren uns vor allem für Startups, bei denen wir uns als Lead- oder Co-Investor mit einer Summe von einer bis zu fünf Millionen Euro pro Jahr initial beteiligen können. In späteren Runden sind auch höhere Investitionen möglich.

In welcher Phase gehen Startups idealerweise auf Euch zu?

Besonders interessant ist für uns die frühe Entwicklungsphase nach dem Proof-of-market, also wenn das Produkt bereits ein erstes positives Feedback vom Markt erhalten hat.

In welche Art von Startup würdet Ihr niemals investieren?

Grundsätzlich sind wir offen für alle vielversprechenden jungen Unternehmen aus dem Energiebereich. Es gibt jedoch einige Situationen, in denen wir von einem Investment absehen. Negativ fällt für uns beispielsweise ins Gewicht, wenn wir das Gefühl bekommen, dass die Unternehmer selbst nicht voll von ihrem Produkt überzeugt sind. Außerdem legen wir viel Wert auf das menschliche Miteinander. Wenn wir merken, dass die Chemie nicht stimmt oder das Gründer-Team interne Differenzen hat, ist das für uns ein klarer Minuspunkt.

„Persönlicher Kontakt ist durch nichts zu ersetzen“

Wie schaffen es Gründer bei Euch auf den Bildschirm?

Hilfreich ist auf jeden Fall, wenn ein Startup von Netzwerk-Partnern wie BayStartUP oder Ecosummit empfohlen wird. Darüber hinaus schadet es nicht, beim Erstkontakt bereits aussagekräftige Unterlagen in unterschiedlicher Detailtiefe parat zu haben. So kann der Gründer bei Interesse schon zu diesem Zeitpunkt schnell und flexibel auf unseren Informationsbedarf reagieren.

Trotzdem habe ich die Devise: Persönlicher Kontakt ist durch nichts zu ersetzen. Bei Interesse an einem Unternehmen greifen wir meist direkt zum Hörer und suchen das Gespräch, anschließend folgt ein Besuch und ein persönliches Kennenlernen.

So sehen die Büroräume des Energie-VCs aus (Fotos: BayWa r.e. Energy Ventures):

Müssen Startups bei Euch Angst haben, dass Ihr Euch zu stark einmischt?

Nein! Für uns ist es zentral, dass junge Unternehmen unabhängig in ihren Entscheidungen bleiben und ihre Agilität und Flexibilität behalten. Das gibt ihnen die Freiheit, bei Bedarf ihr Geschäftsmodell anzupassen, macht sie auch langfristig interessant für Co-Investoren und hält ihnen verschiedene Exit-Kanäle offen. Als exit-orientierte VC-Gesellschaft sind wir deshalb grundsätzlich nur an Minderheitsbeteiligungen ohne operative Einflussnahme interessiert. Nach Möglichkeit und Bedarf unterstützen wir die Startups natürlich gerne mit unserer Branchenexpertise, Infrastruktur und Vertriebspower – aber eben nur, wenn das auch sinnvoll und von Gründerseite gewünscht ist.

Der Trend des Jahres ist…?

Aktuell ist in der Startup-Szene einiges los, weshalb es aus meiner Sicht nicht den einen Trend des Jahres gibt. Zu den wichtigsten Entwicklungsfeldern, die im Moment alle Branchen beeinflussen, zählen aber sicher die Themen Blockchain, Predictive Maintenance und Künstliche Intelligenz. Im Energiebereich finden sich diese vor allem in Geschäftsmodellen zum Assetmanagement von Wind- und Photovoltaik-Parks, Batterie-Management-Systemen, der Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge, dem Thema Smart Grid bzw. Smart Home wieder.

Was macht die Münchner Startup-Szene richtig? Was fehlt hier?

In meiner Wahrnehmung haben Startups in München im Vergleich zu Berlin einen deutlich stärkeren B2B-Fokus. Außerdem ist hier die Infrastruktur sowie der Zugang zu Investoren und Gründernetzwerken exzellent ausgebaut. Damit gibt es vor allem in diesem Bereich eine gute Basis für das Entstehen neuer Ideen und gewinnbringender Kooperationen. Deutlich schwächer ausgeprägt sind die B2C-Aktivitäten, die hier in München sehr fragmentiert sind. Hier wünsche ich mir in Zukunft die ein oder andere zentrale Anlaufstelle.

Auf wen gehen Startups zu, wenn sie mit Euch ins Gespräch kommen wollen?

Die Kontaktaufnahme zu uns ist unkompliziert und sowohl über die Website, via Mail oder direkt per Telefon möglich. Nach einem kurzen Kennenlernen vereinbaren wir gerne einen Termin für ein erstes vertieftes Gespräch, um zu sehen, ob wir zueinander passen. In vielen Fällen kommt der Kontakt auch über unsere Netzwerk-Partner sowie den direkten Austausch auf Messen oder Branchen-Veranstaltungen zustande.

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